Fly Me to the Moon


„Warum kommst Du schon wieder zu spät?“, herrschte die Lehrerin mich an. „Ich musste noch die Zeitung zu Ende lesen. Apollo 7 ist unterwegs!“ Die Ohrfeige kam überraschend und sie tat weh. Aber ich wusste, dass ich gewonnen hatte.

Countdown

Für die US-Raumfahrtbehöre NASA begann das Unternehmen Mondlandung am 27. Januar 1967 mit einem Desaster. Während einer Countdown-Übung, einen Monat vor dem geplanten Start von Apollo 1, löste ein Kurzschluss in der Kommandokapsel des neuen Raumschiffs ein Feuer aus. Wegen eines Konstruktionsfehlers war es den drei Astronauten unmöglich, rechtzeitig von innen die Einstiegsluke zu öffnen; sie verbrannten. Bis zum ersten Mal Astronauten für einen Apollo-Testflug in eine Erdumlaufbahn starteten, sollten weitere 21 Monate vergehen.

In der Testphase für die bevorstehende Einschulung hatte ich, zu dieser Zeit fünfeinhalb Jahre alt, gerade einen persönlichen Erfolg errungen, den meine Eltern wohl eher auch als Desaster empfanden. Sehr eingespannt in den Betrieb ihres Bekleidungsgeschäfts hatten sie kaum Zeit für die Kindererziehung und deshalb entschieden, mich in den Kindergarten zu geben. Leiterin der Einrichtung war eine kaltherzige ältliche Dame, die wir „Tante Gertrud“ zu nennen hatten. Es herrschten strenge Regeln: Die ekelerregende Haut auf der heißen Milch musste auf das Brot gelegt und gegessen werden, mittags hatte man zu schlafen – in lächerlichen Kleinkinderbetten – und vor allem musste man „lieb sein“. Weil ich wegen Aufsässigkeit meistens in der Ecke stand, hatten meine Eltern schließlich ein Einsehen und befreiten mich Anfang 1967 wieder aus Tante Gertruds Fängen.

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Klarer Kompass


Neulich war meine Enkeltochter zu Besuch. „Guck mal, da kommt der coolste Opa der Welt!“, flötete ihr meine Schwiegertochter ins Ohr, als ich abends nach Hause kam. Meiner Enkelin ist es ziemlich egal, ob ich cool bin oder nicht. Sie ist sieben Monate alt und findet es eigentlich nur wichtig, dass ich sie sofort auf den Arm nehme und durchs Haus trage, wenn sie flehend ihre kleinen Hände ausstreckt. Was also findet ihre Mutter cool an mir? Macht sie sich über mich lustig, will sie mir schmeicheln oder liegt es womöglich an meinem – zugegebenermaßen – sehr coolen Outfit? Wenn ich mich nicht aus irgendeinem Anlass verkleiden muss, sieht mein Ausgehanzug nämlich in der Regel so aus: Hoodie, T-Shirt, Jeans. Die Schuhe sind meistens Chucks in täglich wechselnden Farben, auf der Nase oder auf dem Kopf immer eine Wayfarer, nicht nur als Sonnenbrille. Normal.

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Sex & Geld


Neulich, am Himmelfahrtswochenende, war ich mit meiner Gattin in Berlin. Ich wollte zuerst zu Hause bleiben, denn schließlich musste ich noch eine Kolumne schreiben. Doch die Aussicht, in der Hauptstadt alte Freunde zu treffen, anstatt – in der vagen Hoffnung, meinem Gehirn einen brauchbaren Text abringen zu können –  zuhause stundenlang auf und ab zu laufen, war einfach viel zu verlockend. So fuhr ich mit.

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